Gestern haben wir gesehen, wie Menschen erwarten können, eine starke emotionale Reaktion zu haben, wenn sie den Heiligen Geist empfangen. Diese Erwartung basiert nicht auf Beispielen aus dem Neuen Testament, sondern auf Erzählungen von Menschen, die selbst eine solche emotionale Erfahrung gemacht haben. Das Wirken des Geistes Gottes kann durchaus emotionale (und wie wir in den nächsten Tagen sehen werden, auch körperliche) Folgen haben. Entsprechende Zeugnisse sind aufrichtig und wahr. Allerdings müssen Gläubige, die den Vater um den Heiligen Geist gebeten haben und dann in neuen Zungen geredet haben, nicht denken, dass sie den Heiligen Geist nicht empfangen haben, nur weil sie keine Emotionen erlebt haben und deshalb ihre (unberechtigte) Erwartung nicht in Erfüllung gegangen ist.
Der zweite Grund, warum wir nicht irgendeine starke Emotion, wie Freude, als Beweis für den Empfang des Heiligen Geistes akzeptieren können, ist, dass es im Neuen Testament Beispiele von Gläubigen gibt, die ein wunderbares Gefühl der Freude erlebten, aber trotzdem noch nicht den Heiligen Geist empfangen hatten. Ein Beispiel ist die Reaktion der ersten Jünger nach der Himmelfahrt Jesu (aber vor dem Pfingsttag).
„Und sie warfen sich anbetend vor ihm nieder und kehrten nach Jerusalem zurück mit großer Freude; und sie waren allezeit im Tempel und priesen und lobten Gott“ (Lk 24,52-53)
Hier sehen wir, dass die Jünger schon vor dem Pfingsttag große Freude in ihrer Anbetung Gottes erlebten. Dennoch wissen wir, dass sie erst am Pfingsttag tatsächlich mit dem Heiligen Geist getauft wurden.
Wiederum, nachdem die Leute von Samaria das Evangelium von Christus, das Philippus ihnen verkündet hatte, gehört und geglaubt hatten, „herrschte große Freude in jener Stadt“ (Apg 8,8).
Wir sehen, dass die uneingeschränkte Annahme des Evangeliums diesen Samaritern sofort große Freude bereitete. Dennoch, wenn wir im selben Kapitel weiterlesen, entdecken wir, dass diese Menschen erst später, durch den Dienst von Petrus und Johannes, den Heiligen Geist empfingen.
Diese beiden Beispiele beweisen also, dass eine intensive emotionale Erfahrung, wie z.B. große Freude, kein wesentlicher Teil der Taufe im Heiligen Geist ist und nicht als Beweis dafür akzeptiert werden kann, diese Taufe empfangen zu haben.
GEBET
Himmlischer Vater,
danke, dass Du mich reichlich mit der Freude Deines Heiligen Geistes erfüllst. Ich möchte es mir zur Gewohnheit machen, Dich jeden Tag um diese Freude zu bitten, so dass mein Leben und meine Einstellung ein ständiges Zeugnis für andere ist.
Amen!