7. Mai: Wie Gottes Gnade wirkt



Wir werden unsere Untersuchung der christlichen Taufe abschließen, indem wir aus der Lehre des Neuen Testaments die geistliche Bedeutung dieser Handlung herausarbeiten. Der zentrale Text, der diese Wahrheit entschlüsselt, steht im Römerbrief:

„Was wollen wir nun sagen? Sollen wir in der Sünde verharren, damit das Maß der Gnade voll werde? Das sei ferne! Wie sollten wir, die wir der Sünde gestorben sind, noch in ihr leben? Oder wisst ihr nicht, dass wir alle, die wir in Christus Jesus hinein getauft sind, in seinen Tod getauft sind? Wir sind also mit ihm begraben worden durch die Taufe in den Tod, damit, gleichwie Christus durch die Herrlichkeit des Vaters aus den Toten auferweckt worden ist, so auch wir in einem neuen Leben wandeln. Denn wenn wir mit ihm einsgemacht und ihm gleich geworden sind in seinem Tod, so werden wir ihm auch in der Auferstehung gleich sein; wir wissen ja dieses, dass unser alter Mensch mitgekreuzigt worden ist, damit der Leib der Sünde außer Wirksamkeit gesetzt sei, so dass wir der Sünde nicht mehr dienen.“ (Röm 6,1-7)

In Römer 5 betonte Paulus die Fülle der Gnade Gottes gegenüber den Tiefen der Sünde des Menschen. „Wo aber das Maß der Sünde voll geworden ist, da ist die Gnade überströmend geworden.“ (V. 20)

Das führt zu der Frage, die Paulus in Römer 6,1 stellt: „Was wollen wir nun sagen? Sollen wir in der Sünde verharren, damit das Maß der Gnade voll werde?“ Mit anderen Worten: Paulus stellt sich vor, dass jemand fragt: „Wenn die Gnade Gottes im Verhältnis zur Sünde des Menschen steht und dort am größten ist, wo die Sünde am größten ist, sollen wir dann absichtlich weiter sündigen, damit die Gnade Gottes uns gegenüber umso größer wird? Ist das die Art und Weise, wie wir Gottes Gnade gegenüber den Sündern in Anspruch nehmen können?“

Die Antwort des Paulus auf diesen gefährlichen Gedanken weist darauf hin, dass er auf einem völligen Missverständnis darüber beruht, wie Gottes Gnade wirkt. Damit ein Sünder die Gnade Gottes in Anspruch nehmen kann, muss es eine bestimmte, persönliche Übereinkunft im Glauben zwischen dem Sünder und Gott geben. Die Natur dieser Übereinkunft ist so, dass sie eine totale Veränderung in der Persönlichkeit des Sünders bewirkt. 

Es gibt zwei gegensätzliche, aber sich gegenseitig ergänzende Seiten dieser Verwandlung, die durch Gottes Gnade in der Persönlichkeit des Sünders bewirkt wird. Zuerst gibt es einen Tod – einen Tod der Sünde und des alten Lebens. Dann gibt es ein neues Leben – ein Leben für Gott und für die Gerechtigkeit.

Im Licht dieser Tatsache über die Art und Weise, wie Gottes Gnade im Sünder wirkt, und die Ergebnisse, die sie hervorbringt, stehen wir vor zwei alternativen, sich gegenseitig ausschließenden Möglichkeiten: Wenn wir Gottes Gnade in Anspruch genommen haben, sind wir für die Sünde tot; andererseits, wenn wir nicht für die Sünde tot sind, dann haben wir Gottes Gnade nicht in Anspruch genommen. Es ist daher unlogisch und unmöglich, von der Inanspruchnahme der Gnade Gottes zu sprechen und gleichzeitig in der Sünde zu leben. Diese beiden Dinge können niemals zusammenpassen. Paulus weist in Römer 6,2 darauf hin: „Das sei ferne! Wie sollten wir, die wir der Sünde gestorben sind, noch in ihr leben?“

GEBET

Herr, 

ich danke Dir für die Fülle Deiner Gnade, aber auch dafür, dass Du meinen Charakter weiterhin so veränderst, dass ich die Fülle Deiner Gnade nicht missbrauchen kann. Danke, himmlischer Vater, für die ständig reinigende und verwandelnde Wirkung Deiner Gnade in meinem Leben. 

Amen!